Schallemissionen/-immissionen bei WKA


Windkraftanlagen erzeugen (emittieren) Schall im hörbaren und im Infraschallbereich, sobald sich ihre Rotoren drehen. Der emittierte Schalldruckpegel (SPL - sound pressure level) einer WKA im hörbaren Bereich ist im Nahfeld meßtechnisch relativ einfach erfassbar und eine wichtige Kenngröße jedes WKA-Typs. Für moderne WKA werden Kennschalldrücke im hörbaren Bereich von ca. 106 dB angegeben, - das entspricht ungefähr dem Schalldruckpegel einer Kettensäge älterer Bauart (natürlich mit einem anderen Frequenzspektrum).

 

Für den Infraschallbereich gibt es allerdings keine uns bekannten Hersteller-Angaben. Laut einer Studie der BGA (Bundesanstalt für Geowissenschaften) werden diese für ein XXL-Windrad der 5GW-Klasse im Nahfeld des Rotors mit knapp 120dB angegeben, - also dem 5-fachen Schalldruckpegel im Infraschallbereich gegenüber dem hörbaren Bereich. (dB ist ein logarithmisches Mass, deshalb entsprechen 14dB hier dem 5-fachen Pegel.)

 

Wie "laut" die Schallimmissionen im weiteren Umfeld von WKA sind und wie "störend" diese letztlich empfunden werden, sind allerdings zwei völlig unterschiedliche Dinge. Darauf gehen wir im folgenden ein.

 

Da das Problem störender Schallemissionen bei Industrieanlagen schon seit langer Zeit bekannt ist, haben sich bereits in den 60er Jahren Standards für die Messtechnik und die Bewertung von solchen Schallereignissen entwickelt. Diese werden heutzutage in kaum veränderter Form angewandt. Bezogen auf die Messung von Schallemissionen und die Prognose von Immissionen bei aktuellen Windkraftanlagen gibt es heute vor allem drei Problembereiche:

  1. Die Mess- und Prognoseverfahren im Bereich des hörbaren Schalls wurden seinerzeit an Hand von Industrieschloten mit Gesamthöhen von max. 30 m entwickelt und evaluiert. Die Besonderheiten von Schallquellen mit wesentlich größerer Höhe und völlig anderer Schallerzeugung (wie es WKA sind), werden bis heute mess- und bewertungstechnisch nicht berücksichtigt.
  2. Die aktuelle Mess- und Bewertungsnorm der "TA Lärm" sieht keine Messung von Schallereignissen vor, die außerhalb eines stark eingeschränkten, hörbaren Bereichs auftreten, also z.B. im Bereich des Infraschalls. Infraschall wird bis heute also überhaupt nicht messtechnisch erfasst und ist daher in der Prüfung und Abnahme solcher Anlagen "nicht existent".
  3. Moderne Windräder erzeugen aufgrund ihrer Konstruktion (relativ dünnwandige und sehr hohe, elastische Stahlröhren) außerdem sog. "Körperschall". Dieser wird zur Zeit ebenfalls nicht berücksichtig, da dafür bisher keinerlei Messverfahren und/oder Messnormen existieren.

Die TA Lärm wurde inzwischen durch die einschlägigen technischen Gremien überarbeitet und hinsichtlich Einbezug der Messung von tieffrequenten Schallereignissen unterhalb der Hörgrenze (Infraschall) und durch ein realistischeres Bewertungsverfahren erweitert. Es wurde bereits in 2012 erwartet, dass diese überarbeitete Fassung in Kraft tritt - die Windkraftlobby und die Politik haben dies bis zum heutigen Tag zu verhindern gewusst!

 

Den Genehmigungsbehörden sind die Probleme mit Infraschall inzwischen aufgrund zahlreicher Hinweise auf "Störfälle" und/oder ärztlicher Berichte über die Häufung bestimmter Krankheitsbilder im Umfeld von WKA bekannt. Bis zum heutigen Tage werden Krankheiten infolge von Schallimmissionen (insb. von Infraschall) bei WKA aber bestritten und entsprechende Berichte von der Windkraftlobby und der Politik als "Einbildung" oder "Hysterie" abgetan.

 

Die Entwicklung des Windkraftlandes Dänemark hat hier allerdings eine Wende eingeläutet. Dort hat die Regierung in 2015 eine groß angelegte Studie zu Schallemissionen/-immissionen von WKA beauftragt, und viele Kommunen haben Planungen zu WKA-Projekten bis zur abschließenden Veröffentlichung der Ergebnisse eingestellt. Dem Vernehmen nach ist diese Studie inzwischen fertig gestellt, ihre Veröffentlichung soll aber in Absprache mit politischen Kreisen in Deutschland erst nach der Bundestagswahl im Herbst 2017 erfolgen.

 

In Deutschland zeichnen sich ebenfalls erste Ansätze zu einer eine Wende in der Behandlung der Infraschall-Problematik ab: In Nordrhein-Westfalen durchgeführte Feldmessungen haben eine klare Divergenz der Ergebnisse des verwendeten Prognosemodells der Schallausbreitung zu den Ergebnissen einer konkreten Immissionsmessung ergeben.

 

Beim Infraschall hat sich in NRW inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass dieser eben nicht nur über die Luft, sondern auch und unter Umständen wesentlich stärker über die Schalleinleitung vom WEA-Turm über das Fundament in den Boden wirkt. Hier kommt es auf den Untergrund an: besteht dieser aus Sand oder Schluff, wie z.B. überwiegend in Norddeutschland, wird eingeleiteter Infraschall schon nach wenigen hundert Metern absorbiert. Ist der Grund aber vulkanisch (wie hier bei uns im nördlichen Odenwald) und besteht z.B. aus Granit oder anderen vulkanischen Gesteinsarten, ist es ohne weiteres möglich, dass tieffrequente eingeleitete Schwingungen über viele km übertragen werden können, um an völlig unvermuteten Stellen wiederum Gebäude in Schwingungen zu versetzen. Dies deckt sich mit Erfahrungen von Bürgern, die seit Jahren über Infraschallphänomene berichten, obwohl sich in ihrer nächsten Umgebung keine WKA befinden (z.B. klirrende Gläser im Schrank, Unwohlsein ohne erkennbaren Anlass, Schlafstörungen, Depressionen usw.).

 

Eine konkrete Auswirkung hatte dieser "Umdenkprozess" bereits: In NRW müssen Windräder inzwischen einen Mindestabstand von 10 km zu seismologischen Stationen einhalten. In Großbritannien beträgt dieser Abstand sogar 50 km! Ein mit militärischen Infraschall-Messungen befasstes Messlabor der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover fordert Abstände von mehr als 20 km zu WKA, um valide Messungen durchführen zu können. 

 

AKTUELL (31.03.2017): Einen klaren Beweis dafür, dass das Problem existiert und in der Windkraftindustrie selber seit langem bekannt ist, findet man in einer Stellenausschreibung der ENERCON für eine "Machbarkeitsstudie zur Reduktion von Körperschall in Windenergieanlagen".

 

AKTUELL (01.06.2017): Eine aktuelle wissenschaftliche Studie unter Mitwirkung des renommierten Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) belegt unwiderlegbar die massiven Auswirkungen von niedrigfrequentem Schall, der von WKA in Form von sog. Rayleigh-Wellen ausgeht, die sich durch festen Grund ausbreiten und (a) im Umkreis von mindestens 15 km Meßergebnisse von Erdbebenmessstationen nachhaltig verfälschen und (b) bei starkem Wind im Innenbereich von Wohnhäusern höhere Schallpegel im Infraschallbereich erzeugen als der über die Luft übertragene hörbare Schall einer WKA. Damit sind die bisher bekannt gewordenen Berichte zu Störungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen von Anwohnern im Umfeld von WKA auch von wissenschaftlicher Seite nachgewiesen! (Studie "Numerical modelling of micro-seismic and infrasound noise radiated by a wind turbine", die im Fachorgan "Soil Dynamics and Earthquake Engineering", Volume 99, August 2017, Pages 108–123 veröffentlicht wird)

 

Inzwischen haben sich führende Staatsrechtler hier ebenfalls positioniert und Verfassungsbeschwerde gegen Windkraft eingelegt. Nach Ansicht des Verfassungsrechtlers und Anwalts Professor Dr. Michael Elicker haften bereits heute Stadtverordnete ggf. mit ihrem gesamten Privatvermögen für Folgen ihrer Beschlüsse bei der Feststellung von Gesundheitsgefährdungen durch WKA. Der Verfassungsbeschwerde wurde im ersten Anlauf nicht stattgegeben, weil der Instanzenweg nicht eingehalten bzw. ausgenutzt wurde. Die befasste Initiative "Ärzte für Immissionschutz (AEFIS)" rüstet sich derzeit für ein erneutes Verfahren.

 

Wenn Windkraftprojektierer angesichts dieser Entwicklungen heute immer noch behaupten (wie in der EnBW-"Infoveranstaltung" in Ober-Ramstadt am 20.09.2016 geschehen) dass der von WKA erzeugte Infraschall "geringer, als der natürliche Infraschall der Meeresbrandung oder des Strassenverkehrs" sei und von daher "ungefährlich" ist,  machen sie sich nicht nur der (fahrlässigen oder vorsätzlichen) Falschinformation schuldig, sondern sind u.U. ebenfalls privatrechtlich belangbar. 


Vortrag Gesundheit - Schall und Infraschall (Dipl. Ing. (TH) Bernd Töpperwien)

Herr Töpperwien ist ein Fachkollege und Mitstreiter, der lange Zeit in Darmstadt lebte und arbeite. Er ist als Maschinenbau-Ingenieur ursprünglich für die Windkraft eingetreten. Durch Wohnortwechsel in den Taunus wurde er mit der Projektierung eines Windparks auf dem Taunuskamm konfrontiert und befasste sich eingehend mit dem Problem und den Auswirkungen der Schallerzeugung. Der Windpark wurde zwischenzeitlich durch ein Bürgerbegehren verhindert.


Kurzvortrag Gesundheitliche Auswirkungen von Infraschall (Dr. med. Johannes Mayer D.O.M, Vizepräsident BDOÄ, Präsident DGOM)

Die medizinische Wissenschaft ist sich darin einig, dass ausreichender Schlaf essentiell für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden ist.  Es gibt eine umfangreiche Literatur, die belegt, dass chronische Schlafstörungen die Hirnfunktionen, das Herz und die Blutzirkulation und den gesamten Stoffwechsel beeinträchtigen. Jede Ursache, die den Schlaf stört, führt zu chronischem Stress und damit zu einer nachweisbaren Beeinträchtigung der Gesundheit.

 

Die Vielzahl der nationalen und internationalen Studien zu Windenergieanlagen (WEA) und InfraLowFrequencyNoise (ILFN) zeigt ganz eindeutig den Zusammenhang zwischen der Schallemission von WEA und Schlafstörungen der Anwohner. Darüber hinaus  lässt sich auch eine Dosis-Wirkungsbeziehung bezogen auf den Abstand der WEA und der Ausprägung der Schlafstörungen nachweisen.  Daraus ergibt sich zwingend, dass aus medizinischer Sicht sichere Mindestabstände von WEA zur Wohnbebauung eingehalten werden müssen. 

 

Aufgrund aller vorliegenden Studien kann man davon ausgehen, dass empfindliche Menschen zu 15-30% durch Schallemissionen von WEA krank werden. Die Ausführungen werden belegen, dass dies in allen Regionen und auch in verschiedenen Ländern mit hoher Konstanz nachweisbar ist.